Frauenpower

© Marketplace Designers















Es war an einem Mittwoch, noch gar nicht so lange her, als der Satz eines Kunden das Fass zum Überlaufen brachte und ich mich entschloss, dieses Thema endlich aufzugreifen. Es spiegelt das wider, was ich regelmäßig während meiner Arbeit als Personal Trainer und Coach erlebe.
Natürlich betrifft dies nicht alle und jede(n), trotzdem ist es amüsant zu beobachten, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind, wenn es an an die Themen Ehrgeiz, Umsetzung und Leidensfähigkeit beim Sport und Coaching der einzelnen Geschlechter geht. Und natürlich alles mit einem Augenzwinkern.

„Meine Frau ist Schuld, daß ich nicht abnehme. Sie kocht so gut.“
(Michael, 48, Projektmanager)

„Ich brauche erst einmal Urlaub, bevor wir das Trainings anpassen. Ich habe so viel Streß, beides schaffe ich nicht.“ (Bernd, 66, Rentner)

„Ich glaube, Sport ist nichts für mich, meine ganzen Muskeln waren das letzte Mal entzündet, das ist nicht gesund.“
(Was dieser Herr verspürte war ein Muskelkater nach jahrelanger Bewegungsabstinenz – dazu sage ich: Wo Schmerzen sind, ist auch Leben!)

Männer suchen Ausreden

Diese Aussagen bestätigen eigentlich genau meine Erkenntnisse: Männer suchen öfter nach Ausreden, Frauen kommen besser in die Umsetzung.Es ist deutlich zu beobachten, dass die Damen ihr Vorhaben zielstrebiger verfolgen, auch in kritischen Phasen.  Tritt bspw. eine vorübergehende Stagnation der Trainingserfolge ein oder schwindet das Gewicht über einen längeren Zeitraum nur zögerlich, helfen einfache Motivationstipps, sich das bisher Erreichte vor Augen zu führen und genau da auch weiter anzusetzen. Der limitierende Faktor ist man immer selbst, nicht jemand oder etwas anderes.

Unbequemlichkeit macht sich bezahlt

Bei Männern bekomme ich die Klassiker zu hören, wie:
„Momentan habe ich wenig Zeit, zusätzlich etwas Sport zu treiben“ oder
„ich schaffe es einfach nicht, abends die Süßigkeiten wegzulassen“.

Zeitmangel ist übrigens laut einer Umfrage mit 45% der mit Abstand am häufigsten genannte Grund dafür, dass sich Menschen körperlich nicht betätigen, gefolgt mit 13%, dass eine Erkrankung der Grund sei, keinen Sport zu treiben.
(Quelle: Spezial-Eurobarometer der Europäischen Kommission, TNS Opinion & Social)

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich auch gerne den bequemen Weg gehe. Zwar nicht im sportlichen Sinne, hier bin ich immer zu Höchstleistungen motiviert und reize meine Grenzen gerne aus. Ich meine vielmehr, dass ich unbequeme Entscheidungen gerne vor mir herschiebe, manchmal auch Dinge tue, die mir nichts geben, mich emotional unberührt lassen, damit ich meinen Gegenüber nicht vor den Kopf stoße.
Die Damen sind an dieser Stelle zielstrebiger, halten den vorgegebenen Plan ein und geben gerne auch Feedback, wenn ein Training absolviert wurde. Auch wenn es manchmal unbequem ist, nach Feierabend oder früh morgens ein Sportprogramm hineinzuquetschen, vor allem während der Herbst und Wintermonate oder den berühmten Heißhungerattacken zu widerstehen, dann sind es gerade diese Einheiten, welche uns den Schritt voran bringen, uns mental stärken und zufrieden stimmen, es trotz aller Umstände getan zu haben.
(-> Blog vom 15.10.2020 „Meine fünf Motivationstipps…“)

Motivationsloch

Jede(r) kennt das: Sie fühlen sich „unfit“, haben eine leichte bis mittelschwere Verletzung oder sind einfach nur ausgelaugt. Sprich, die momentane Verfassung motiviert nicht gerade dazu, um Sport zu treiben. Trotzdem kommen viele meiner Kundinnen auch dann ins Training. Sie wissen genau, dass das Bewegungskonzept individuell an die aktuelle Tagesform und die physischen Umstände angepasst werden kann. Und im Anschluß erfolgt auch die Bestätigung, dass sie froh und zufrieden sind, die Einheit absolviert zu haben. „Ich fühle mich besser als vorher“, heisst es in den meisten Fällen.

Männerschnupfen

Die Herren der Schöpfung hingegen neigen eher dazu, eine selbsternannte Zwangspause einzulegen und es dann als Argument zu verwenden, dass aufgrund des Handicaps logischerweise der Trainings- oder Ernährungsplan nicht einzuhalten war. Ganz klar, ein Männerschnupfen hindert natürlich daran, auf gesunde Ernährung zu achten. Ein kleiner Tipp meinerseits: Gerade die Bewegung und der Sport stärkt unser Immunsystem und verhindert Erkältungen, wir werden dadurch also resistenter.

Frauen vertrauen

Wenn Frauen sich entscheiden zum Personal Training zu gehen, dann schenken sie dem oder der TrainerIn das nötige Vertrauen. Sie halten sich an die Vorgaben, um die Ziele zu erreichen und schätzen deren Expertise.Beim männlichen Geschlecht erlebe ich es immer wieder, dass sich ein Schlendrian einschleicht, vor allem, wenn eine Trainingspause, sei es durch Urlaub oder Krankheit, eingelegt wurde. Und plötzlich werden auch eigene Methoden, die irgendwo aufgeschnappt wurden, sei es im Internet oder irgendwelchen TV-Fitness-Doku`s, verfolgt. Hier empfehle ich meinen Blog „Fitness Mythen“ vom 12. September 2020, um diesen nicht auf den Leim zu gehen.

Prioritäten setzen

Während wir Männer mehr um unseren Status, Geld oder Positionen kämpfen, können Frauen besser Prioritäten setzen (Quelle: https://www.alumniportal-deutschland.org/karriere/frauenpower-frauenquote/). Dies ist womöglich auch der Grund, weshalb Frauen einen vorgegebenen Plan besser umsetzen. Wir Männer „verzetteln“ uns oftmals in den vielen kleinen Dingen, die auf unserem Tisch liegen bzw. die wir uns selbst auf den Tisch legen. Doch sind diese wirklich immer so wichtig?

Entscheidungen treffen

Wenn Frauen Entscheidungen treffen, dann sind diese auch getroffen. Machen oder nicht machen – ja oder nein.Wir Männer lassen oftmals das eine laufen, während wir das vermeintlich Bessere schon pflegen. Aber nichts von beidem widmen wir 100% unserer Aufmerksamkeit. Wir schaffen also ein Problem, während das andere noch nicht gelöst ist. Daher bevorzuge ich die „schwarz oder weiss – Methode“. Ja oder Nein. Ein bisschen Schwanger geht ja schliesslich auch nicht!

Ausgestattet wie…

…ein Weltmeister, trainiert wie ein – mit Verlaub – Hausmeister.
Eine ganz persönliche Erkenntnis, bei der ich mich auch mehr als an die eigene Nase fassen muss, ist die Tatsache, dass wir Männer uns die beste und feinste Ausrüstung zulegen, bis wir an die Umsetzung kommen.

Bevor ich vor zwei Jahren wieder angefangen habe, Tennis zu spielen, musste es natürlich der High-End-Schläger und das neueste Schuhwerk sein, obwohl beim Verein die Möglichkeit bestand, diverse Modelle erst einmal zu testen.

Dann gibt es diesen Typ, bei dem die wöchentliche Fahrradtour einer Materialschlacht gleicht, die notwendige Power für den ersten Anstieg aber der Akku des E-Bikes liefert.

Ein gutes Beispiel ist mein vor kurzem durchgeführtes Trailrunning-Seminar für Einsteiger. Wir waren eine ausgeglichene Gruppe mit gleicher Anzahl sowohl Männlein wie Weiblein. Die Damen hatten Ihre die Ausrüstung an, welche sie sonst auch bei ihren Sport- oder Laufeinheiten tragen. Nach deren Aussage wollten sie zunächst einmal in das Trailrunning „hineinschnuppern“, bevor sie sich das entsprechende Material wie Schuhe und Kleidung zulegen.

Persönliche Anmerkung

Ich möchte zum Abschluss dieses Beitrags noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies alles persönliche Erlebnisse sind und es mir viel Freude bereitet, jeden Tag mit den unterschiedlichsten Facetten eines Menschen konfrontiert zu sein und damit umzugehen. Genau das ist es, was meine Motivation ausmacht, diesen Beruf auszuüben. Ich schätze und respektiere jeden einzelnen Kunden und Sportler, jedes Geschlecht und werde weiterhin mein Bestes geben, damit wir gemeinsam die Ziele erreichen, die Sie sich vorgenommen haben und Grenzen verschieben.

Ihr
Andreas Wurm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.